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Warum die Warnung vor Erucasäure im Rapsöl irreführend ist

Rapsöl soll eine «wirksame Menge» an Erucasäure enthalten, die den Herzmuskel schädigt, wird in sozialen Netzwerken behauptet. Tatsächlich kann Erucasäure in hohen Mengen gesundheitsschädlich sein. Daraus wird der Schluss gezogen, dass dies heute auch für handelsübliches Rapsöl gilt. Kann das sein?

Bewertung

Nein, moderne Rapssorten enthalten nur noch sehr geringe Mengen an Erucasäure. Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gibt es bei normalem Verzehr kein Gesundheitsrisiko.

Fakten

Der Vorwurf hat einen historischen Hintergrund, ist für heutige Speiseöle aber nur eingeschränkt relevant. Tatsächlich kann Erucasäure in hohen Mengen problematisch sein. Weil Tierversuche zeigten, dass eine große Zufuhr zu einer Verfettung des Herzmuskels führen kann, wurden Speiserapssorten bereits vor Jahrzehnten gezielt so gezüchtet, dass sie nur noch sehr geringe Mengen dieser Fettsäure enthalten.

Der heutige Speiseraps und der früher angebaute Raps unterscheiden sich deshalb deutlich. Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) geht von den heute üblichen Mengen in handelsüblichem Rapsöl bei normalem Verzehr kein erhöhtes Gesundheitsrisiko aus. Das Institut weist darauf hin, dass die in Tierversuchen beobachteten Herzmuskelveränderungen nur bei deutlich höheren Aufnahmemengen auftraten und zudem reversibel waren.

Ab welcher Menge Erucasäure eigentlich gefährlich ist

Die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegte tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (Tolerable Daily Intake; TDI) für Erucasäure liegt bei 7 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Eine exemplarische Modellrechnung zeigt, dass das mehr ist, als Verbraucherinnen und Verbraucher mit üblichen Mengen handelsüblichen Rapsöls aufnehmen. Bei einem Erwachsenen mit einem Körpergewicht von 70 Kilogramm wären das 490 Milligramm.

Wenn man davon ausgeht, dass das Rapsöl einen Erucasäure-Anteil von zwei Prozent hat, liegt die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge bei schätzungsweise 24,5 Millilitern Öl, was etwa 2,5 Esslöffeln Öl entspricht. Handelsübliches Rapsöl hat mit weniger als 0,5 Prozent jedoch einen deutlich niedrigeren Erucasäure-Anteil. Damit liegt die täglich tolerierbare Aufnahmemenge für einen 70 Kilo schweren Menschen bei rund 98 Millilitern pro Tag – also ein halbes handelsübliches Wasserglas. Nur wer innerhalb von zehn Tagen etwa einen Liter dieses Öls verzehrt, erreicht den Grenzwert.

Was Fachleute sagen – und was im Netz behauptet wird

Für Ernährungsmediziner ist deshalb nicht die Erucasäure, sondern die gesamte Nährstoffzusammensetzung entscheidend. «Die wissenschaftlichen Empfehlungen fallen deutlich anders aus als viele Diskussionen in sozialen Netzwerken», sagt Matthias Riedl, Ernährungsmediziner und ärztlicher Leiter des Medicum Hamburg, im Gespräch mit dpa.

Auch Hans Hauner, Seniorprofessor für Ernährungsmedizin am Else Kröner-Fresenius-Zentrum an der TU München, bewertet Rapsöl eindeutig positiv. «Die wissenschaftliche Datenlage ist klar: Rapsöl ist ein ausgezeichnetes Speiseöl», sagt er. Das Öl enthalte viele einfach ungesättigte Fettsäuren, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin E. «Damit ist es im Prinzip sogar etwas besser als Olivenöl und dabei deutlich günstiger.»

Dass Warnungen vor Rapsöl trotzdem große Reichweiten erzielen, überrascht Hauner nicht. «In sozialen Medien geht es meist nicht um wissenschaftliche Fakten, sondern um Aufmerksamkeit und Klicks.» Zuspitzung und Verunsicherung funktionierten dort häufig besser als differenzierte wissenschaftliche Einordnungen.

Auch Fachgesellschaften bewerten Rapsöl deshalb weiterhin positiv. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt es ausdrücklich als pflanzliches Speiseöl. Zu derselben Einordnung kam bereits ein dpa-Faktencheck, der die Behauptung überprüfte, Rapsöl schade wegen seines Erucasäure-Gehalts der Herzgesundheit.

(Stand: 18.6.2026)

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Gesundheit

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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