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Warum ein Vulkanausbruch die Klimaziele nicht infrage stellt

Der Kanlaon ist ein aktiver Vulkan auf den Philippinen und bricht immer wieder aus. Solche Phänomene werden in sozialen Netzwerken regelmäßig genutzt, um den menschengemachten Klimawandel kleinzureden oder zu bestreiten. In Beiträgen auf X und Facebook heißt es etwa, der Vulkan stoße täglich mehr Treibhausgase aus, als Deutschland in einem ganzen Jahr einsparen könne. Der Nutzen von Klimaschutzmaßnahmen wird dabei in Frage gestellt.

Bewertung

Die Behauptung ist irreführend. Die Treibhausgas-Einsparungen in Deutschland lagen 2023 bei 77 Millionen Tonnen. Der tägliche Ausstoß eines einzelnen Vulkans liegt weit darunter.

Fakten

Eine einfache Gegenüberstellung vom täglichen Ausstoß des Kanlaon mit den Treibhausgasen, die Deutschland im Jahr einsparen kann, ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint. Doch es gibt zahlreiche Daten: Sowohl die Aktivität von Vulkanen, als auch die Emissionen in Deutschland stehen unter stetiger Beobachtung.

Wie hoch sind die Emissionen des Kanlaon?

Vulkane stoßen neben Lava und Asche auch Gase wie Schwefeldioxid (SO2) oder das klimaschädliche Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2) aus. Ein Bericht der Max-Planck-Gesellschaft klärt auf, dass Schwefeldioxid aussagekräftig für die Aktivität eines Vulkans ist. Darum wird SO2 kontinuierlich gemessen.

Nach Angaben des Philippinischen Instituts für Vulkanologie und Seismologie vom 27. Februar 2026 setzt der Kanlaon seit dem Beginn der aktuellen eruptiven Unruhe (3. Juni 2024) kontinuierlich im Schnitt 2.800 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag frei. Wird nur der Zeitraum seit Beginn des Jahres 2026 betrachtet, sind es demnach nur 1.460 Tonnen pro Tag. Zahlen zum CO2-Ausstoß des Kanlaon werden nicht genannt.

Welche Daten gibt es zu globalen CO2-Emissionen von Vulkanen?

Ein ungefährer Vergleich lässt sich trotzdem ziehen: Mithilfe von Zahlen zum CO2-Ausstoß aller Vulkane auf der Erde.

  • Die US-Erdbebenwarte USGS schätzt die globale Vulkanemission auf insgesamt 260 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Das sei weniger als ein Prozent des derzeit durch menschliche Aktivitäten freigesetzten CO2.
  • Das Umweltbundesamt (UBA) nennt für die weltweite Vulkanaktivität eine jährliche Spannweite von 300 Millionen bis 600 Millionen Tonnen, was in etwa 0,7 bis 1,5 Prozent der durch Menschen erzeugten CO2-Emissionen ausmache.
  • Im Sechsten Sachstandsbericht des Weltklimarates wird für Vulkane die Menge auf etwa 637 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr angegeben, was etwa 1,6 Prozent der menschengemachten Emissionen entspräche.

Ein einzelner der rund 1.350 potenziell aktiven Vulkane verursacht wiederum nur einen Bruchteil davon – nochmals reduziert, wenn es auf nur einen einzelnen Tag bezogen wird. 50 bis 70 Ausbrüche gibt es in etwa weltweit pro Jahr.

Wie viele Treibhausgase wurden in Deutschland eingespart?

Im Jahr 2024 stieß Deutschland nach Berechnungen des UBA drei Prozent weniger Treibhausgase aus als 2023. Insgesamt wurden rund 650 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt – 20 Millionen Tonnen weniger als ein Jahr zuvor.

Im Jahr 2023 ging es nach UBA-Angaben sogar um mehr als 10 Prozent zurück: 77 Millionen Tonnen Treibhausgase weniger als 2022.

Warum der Vergleich in die Irre führt

Wenn Deutschland pro Jahr 20 oder 77 Millionen Tonnen Treibhausgase einspart, dann liegt das weit über dem Treibhausgas-Ausstoß einzelner Vulkane pro Tag.

Bei einem Schwefeldioxid-Ausstoß im Bereich von wenigen Tausend Tonnen pro Tag, ist es völlig unrealistisch, dass ein Vulkan wie der Kanlaon gleichzeitig Millionen Tonnen CO2 emittiert.

Hinzu kommt: Der irreführende Vergleich stellt eine kurzfristige Spitzenbelastung dem langfristig geplanten Klimaschutz gegenüber. Soll heißen: Selbst wenn ein Vulkan temporär viele Treibhausgase freisetzt, ändert das nichts an der Wirkung dauerhaft reduzierter Emissionen.

Denn für das Klima ist die langfristige Konzentration von Treibhausgasen wie CO2 in der Atmosphäre entscheidend. Diese steigt seit Beginn der Industrialisierung durch menschliche Aktivität stark an.

Vulkane wiederum gehören zum natürlichen Kohlenstoffkreislauf, wie bei der Klimainitiative des Helmholtz-Instituts nachzulesen ist. Die im letzten Jahrhundert gemessene Erderwärmung ist nur zu einem überaus geringen Anteil mit natürlichen Klimaschwankungen zu erklären.

Deutschland ist verpflichtet, mehr Treibhausgase einzusparen

Deutschland hat sich nach einem entsprechenden Beschluss des Bundesverfassungsgerichts verpflichtet, die eigenen Emissionen bis 2030 um mindestens 65 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Bis 2045 soll Deutschland treibhausgasneutral werden. Das heißt: In Zukunft müssen weiterhin mehr Treibhausgase eingespart werden.

(Stand: 27.2.2026)

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Klimawandel

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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