Bewertung
Nein. Bei der Ablehnung eines Asylantrags ohne Duldung gibt es weder eine bezahlte warme Wohnung noch eine Krankenversicherung auf Staatskosten – und erst recht kein Geld für Führerscheinprüfungen. Meist bleibt nur ein Bett in einer Gemeinschaftsunterkunft, Massenverpflegung und ein Duschraum. Richtig aber ist: Deutschland ist mit dieser Existenzsicherung vor Abschiebungen großzügiger als andere EU-Staaten.
Fakten
Wenn in sozialen Medien behauptet wird, Leistungen für abgelehnte Asylbewerber umfassten 563 Euro, ist das falsch. Diese Summe entspricht vielmehr dem monatlichen Regelsatz für das Bürgergeld. Ein Anspruch auf Bürgergeld besteht aber nur, wenn das Asylverfahren positiv ausgeht und eine offizielle Aufenthaltserlaubnis als anerkannter Flüchtling vorliegt.
Leben am Existenzminimum
Wird ein Asylantrag in Deutschland abgelehnt und keine Duldung ausgesprochen, kann ein Mensch hier notdürftig seine Existenz sichern, zumeist in Sammelunterkünften.
Festgeschrieben ist das im Asylbewerberleistungsgesetz in Paragraf 1a. Dort steht mit Blick auf die Betroffenen: Es werden «nur noch Leistungen zur Deckung ihres Bedarfs an Ernährung und Unterkunft einschließlich Heizung sowie Körper- und Gesundheitspflege gewährt.» Die Leistungen «sollen als Sachleistungen erbracht werden». Die Bundeszentrale für politische Bildung nennt es das «physische Existenzminimum» oder vereinfacht «Bett, Brot und Seife».
Welche Lösung haben unsere Nachbarn?
Deutschland wirkt damit großzügiger als manche seiner Nachbarländer. Frankreich streicht Leistungen für abgelehnte Asylbewerber laut einem Bericht der Tagesschau komplett. In Polen bekämen abgelehnte Asylbewerber ähnlich wie in Deutschland kein Geld mehr. Wer eine Ausreise ablehne, bekomme in Dänemark nur noch Essen, Kleidung und Unterkunft in einem Abschiebelager.
Bei Duldung läuft es anders
Andere Regeln gelten in Deutschland für abgelehnte Asylbewerber, die zum Beispiel aufgrund einer Berufsausbildung, einer schweren Krankheit oder aus familiären Gründen eine befristete Duldung bekommen. Doch auch sie erhalten nicht automatisch sofort Bürgergeld, sondern geringere Hilfen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Eine klassische Krankenversicherung gehört nicht dazu, lediglich eine medizinische Versorgung, die vorher genehmigt werden muss. Die Kosten für einen Führerschein werden nicht übernommen. Erst nach drei Jahren und verlängerter Duldung nähern sich diese Hilfen dem Bürgergeld an.
Werden die festgeschriebenen sozialen Leistungen für anerkannte und abgelehnte Asylbewerber sowie Geduldete bewusst oder aus Unkenntnis vermischt, können die Aussagen in sozialen Netzwerken falsch sein – oder zumindest in großen Teilen irreführend.
(Stand: 11.6.2026)
