Angebliches Selfie mit Friedrich Merz ist eine KI-Erfindung - Featured image

Angebliches Selfie mit Friedrich Merz ist eine KI-Erfindung

Selfies mit Politikern können mitunter Berühmtheit erlangen – so etwa ein Schnappschuss eines Syrers mit Angela Merkel 2015. Im Netz verbreitet sich aktuell ebenfalls ein politisches Selfie: Zu sehen ist eine junge Frau, die anscheinend ein Bild mit Friedrich Merz gemacht hat. «Er hat nicht gesehen welches Shirt ich drunter hab», steht auf dem Bild (Schreibweise im Original). Unter ihrer teilweise geöffneten Kapuzenjacke trägt die Frau ein Shirt mit einem blauen Herz, der Aufschrift «Sei schlau, wähle blau» und dem roten Pfeil des AfD-Logos. Hat hier tatsächlich eine AfD-Unterstützerin den Bundeskanzler in eine politische Foto-Falle gelockt?

Bewertung

Das Bild ist KI-generiert. Es finden sich keine Belege für eine Echtheit des Selfies. Auch die abgebildete Frau ist wohl kein echter Mensch, sondern ein KI-Avatar. Das ergibt sich aus einer Reihe von KI-Bildfehlern und einer KI-Kennzeichnung auf einer Plattform für Bezahlinhalte mit dem Profil der Creatorin.

Fakten

Einiges an dem angeblichen Selfie ist auffällig: Details an der Darstellung des Bundeskanzlers entsprechen nicht der Realität. So trägt Friedrich Merz etwa eine Brille, bei der am Übergang zwischen Rahmen und Bügel eine durchgehende weiße oder silberne Linie zu sehen ist. Das zeigen Fotos auf seiner Webseite oder Pressefotos. Auf dem kursierenden gefälschten Selfie ist diese Linie am Brillengestell nicht durchgängig dargestellt.

Außerdem ist auf dem Selfie eine Art Leberfleck auf Merz‘ Stirn zu sehen, den er dort nicht hat, wie Fotos zeigen. Ungewöhnlich ist zudem, dass Merz keine Krawatte trägt – auf den meisten öffentlichen Fotos tut er das. Solche von der Realität abweichenden Details sprechen für eine künstliche Erstellung des Bildes. Das Büro von Friedrich Merz antwortete nicht auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zu dem Bild.

Account «Zola.grm»

Dass die Frau auf dem Bild kein realer Mensch ist, sondern ein KI-Avatar, wird deutlich, wenn man sich ihre Profile in sozialen Medien ansieht. Das Profil «zola.grm» war oder ist auf Instagram, Tiktok und Threads vertreten. Einige Profile wurden Ende April gelöscht. Beiträge mit politischen Botschaften wechselten sich dort ab mit Bildern, auf denen die Frau leicht bekleidet zu sehen ist.

Möglich ist, dass die Bilder Reichweite generieren sollen, um weitere Bezahlinhalte zu verkaufen. «Zola.grm» hat ein Profil auf der Plattform Fanvue. Auf diesem Dienst können Content Creator gegen Bezahlung Inhalte für ihre Abonnenten bereitstellen. «Zola.grm» zeigt hier in der Vorschau Fotos in Unterwäsche oder einem Bikini. In dem Profil ist ein Hinweis auf die KI-Generierung angegeben: «Die Bilder wurden zu kreativen Zwecken mit Hilfe von KI bearbeitet oder generiert», heißt es dort.

Typische KI-Fehler sichtbar

Dazu passt, dass immer wieder logische Fehler und Bildfehler auf den Social-Media-Profilen von «zola.grm» zu finden sind. Eine KI-Kennzeichnung fehlt hingegen. Auffällig ist etwa, dass sich das Gesicht der Profil-Besitzerin in ihren älteren, ersten Postings und auf ihrem Profilbild von ihrem Gesicht in aktuellen Postings unterscheidet. Es scheint sich nicht um die gleiche Person zu handeln.

Typische Bildfehler, die bei der Generierung mit KI entstehen, finden sich in mehreren Bildern und Videos: etwa fehlerhafte Buchstaben in der Schrift in einem Spiegelbild («Deutscbland») oder auf einem angeblichen Wahlplakat (undefinierbare Symbole statt Buchstaben links oben im CDU-Plakat und unter dem Datum auf dem SPD-Plakat). Auf dem Bild eines Wahlplakats stimmt auch das Datum nicht – die hessische Landtagswahl war am 8. Oktober 2023, nicht am 9. Oktober, wie auf dem vermeintlichen SPD-Plakat steht.

Es finden sich keine Hinweise darauf, dass «Zola.grm» eine echte Frau in Deutschland ist. Wer hinter dem Profil steckt und wie umfangreich KI zur Generierung der Bilder und Videos genutzt wird, etwa ob die Hintergründe teils Fotos sind, ist unklar. Auf eine dpa-Anfrage über Instagram und Tiktok antwortete das Profil nicht. Das Instagram-Profil wurde mittlerweile gelöscht.

Die Fälschung wurde auch von Prominenten verbreitet. So teilten AfD-Politiker wie der Bundestagsabgeordnete Rainer Rothfuß das gefälschte Selfie.

(Stand: 27.4.2026)

Fact Checker Logo

Künstliche Intelligenz, Politik

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

Nach oben scrollen