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Bild von Verhaftung in Großbritannien wurde mit KI bearbeitet

Achtung: Dieser Faktencheck verlinkt zu Bildern und Videos, die Gewalt zeigen und verstörend wirken können.

Ein Mordfall und ein Polizeifehler sorgen derzeit für Krawalle in Großbritannien. Im Dezember 2025 wurde der 18-jährige Student Henry Nowak in Southampton niedergestochen. Als die Polizei eintraf, kümmerte sie sich zunächst nicht um den lebensgefährlich Verletzten, wie die Aufnahme einer Polizei-Bodycam beweist. In sozialen Medien wird nun ein Bild verbreitet, dass die Situation zeigen soll. Darauf sind mehrere Hände in Handschuhen zu sehen, die eine Person festzuhalten und ihr Handschellen anzulegen scheinen. Handelt es sich um ein echtes Foto vom Tatort?

Bewertung

Das Bild ähnelt zwar den Bodycam-Aufnahmen, doch mehrere Details zeigen, dass es nachträglich bearbeitet wurde. Viele Bildbearbeitungstools setzen bei solchen Aufgaben auf Künstliche Intelligenz (KI). Das Problem dabei: An Stellen, die im Original nicht gut zu erkennen sind, können Halluzinationen auftreten.

Fakten

Anfang Juni veröffentlichte die Polizei ein Bodycam-Video vom Tatabend, wie britische Medien berichteten. Darin ist zu sehen, wie sich die filmende Person dem am Boden liegenden Sterbenden nähert. Anschließend greifen die Polizisten nach seinen Armen und legen ihm Handschellen an.

Die bei Minute 1:21 gezeigte Situation ähnelt dem nun verbreiteten Bild. Dieses erscheint jedoch deutlich schärfer als das Originalmaterial – ein Hinweis auf eine nachträgliche Bearbeitung.

Das Bild in der vermeintlich besseren Qualität wurde kurz darauf von dem Reform-UK-Politiker Robert Jenrick bei Facebook verbreitet. Darauf ging die Plattform «Lead Stories» in einem Faktencheck ein.

Mehrere Details passen nicht zum Video

Auf den ersten Blick scheint es sich bei dem Bild um einen Screenshot aus dem Video zu handeln. Man sieht, wie die Person mit der Kamera die Handschellen an Henry Nowaks linker Hand befestigt. Eine weitere Person rechts im Bild hält ihn dabei fest.

Mehrere Details stimmen bei Video und Bild überein, einige hingegen nicht:

  • Am auffälligsten ist die Hand oben im Bild: Sie liegt geöffnet auf Nowaks rechtem Arm. Die Fingerspitzen im Handschuh wirken ungewöhnlich spitz, als habe die Person sehr lange Nägel. Im Video zeigt sich ein anderes Bild: Die Hand umgreift den Arm, so dass nur Daumen und Zeigefinger sichtbar sind. Dabei zeichnen sich keine langen Fingernägel im Handschuh ab.
  • Zwischen den Handschellen und Nowaks Hand ist auf dem Bild ein glänzender Metallring mit einem Loch zu sehen. Ein Blick ins Originalvideo zeigt jedoch, dass Nowak eine Uhr am linken Handgelenk trägt. Das Uhrenarmband besteht aus mehreren Metallgliedern, die bei der Bildbearbeitung zu einem soliden Metallstück verschmolzen wurden.

KI-Bearbeitung ist fehleranfällig

Der Grund für diese Bildfehler ist vermutlich der Einsatz von KI. Anders als viele Nutzer annehmen hat eine KI kein tieferes Wissen über die tatsächlichen Abläufe oder über Details, die auf verschwommenen Aufnahmen nicht genau zu erkennen sind.

Tatsächlich arbeitet generative KI mit Wahrscheinlichkeiten. Dabei können Halluzinationen entstehen. Ähnliche Effekte waren im Januar bei Bildern aus Minneapolis aufgetreten, die nach dem Tod von Alex Pretti verbreitet wurden.

Im Video aus Southampton ist auch Nowaks Mörder zu sehen. Er behauptet, als Anhänger der Sikh-Religion rassistisch beleidigt worden zu sein und stellt sich selbst als Opfer dar. Der inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilte Mann gab an, die Tatwaffe aus religiösen Gründen getragen zu haben.

Urteil von Protesten begleitet

In Großbritannien kam es nach der Veröffentlichung des Videos zu gewaltsamen Ausschreitungen. Elf Beamtinnen und Beamte wurden dabei verletzt, wie die Polizei mitteilte. Hunderte Menschen waren zuvor einem Aufruf des Rechtsextremen Tommy Robinson gefolgt. Sie werfen der Polizei Ungleichbehandlung – konkret eine Benachteiligung der weißen Mehrheitsbevölkerung – vor.

Das Vorgehen der Polizei soll nun von der Aufsichtsstelle für Polizeiverhalten (IOPC) untersucht werden. Einer der am Einsatz beteiligten Beamten hat laut Polizei bereits den Dienst quittiert, drei andere sind demnach hingegen weiter im Amt.

(Stand: 4.6.2026)

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Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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