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Grafik verbreitet falsche Zahlen zu Bürgergeldempfängern

Der deutsche Sozialstaat steht vor großen Reformen. Ein wiederkehrendes Thema ist dabei der Anteil von arbeitslosen Ausländern. Aktuell gehen zum Beispiel kolportierte Daten zum Jahr 2024 herum, die schon einmal im Umlauf waren. Einer Grafik zufolge sollen 2024 mehr Migranten als Deutsche Bürgergeld bekommen haben: Lediglich 0,9 Millionen Deutsche seien Bürgergeldempfänger gewesen, im Vergleich zu 1,9 Millionen Deutschen mit Migrationshintergrund und 2,6 Millionen Ausländern.

Bewertung

Mehr als ein Viertel der Bürgergeldempfänger im Jahr 2024 waren deutsche Staatsbürger ohne Migrationshintergrund. Die Zahlen in der Grafik sind falsch.

Fakten

2024 haben in Deutschland rund 5,4 Millionen Menschen Bürgergeld empfangen. Davon galten nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 3.945.524 Menschen als erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Eine große Zahl davon sind Aufstocker. Das sind Menschen in Arbeit, deren Lohn reicht und die darum Bürgergeld bekommen.

Mit und ohne Migrationshintergrund

Von den erwerbsfähigen Bürgergeldempfängern waren knapp 1,4 Millionen Deutsche ohne Migrationshintergrund, das entspricht 36,3 Prozent. Das ergibt sich aus dem Dokument «Migrationshintergrund nach § 281 Abs. 2 SGB III» (Download, Tabelle 3.1), das auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit frei zugänglich ist.

Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund zusammen machten 2024 51,3 Prozent der erwerbsfähigen Leistungsempfänger aus (Tabelle 3.2.): Etwa zwei Millionen deutsche Staatsbürger waren also 2024 erwerbsfähig und haben Bürgergeld erhalten (Tabelle 3.1.).

In der Statistik wird bei Deutschen mit Migrationshintergrund zwischen denen mit und ohne eigene Migrationserfahrung unterschieden. Nimmt man diese Daten zusammen, ergeben sich 14,9 Prozent an deutschen erwerbsfähigen Bürgergeldempfängern mit Migrationshintergrund.

Dazu zählen zum Beispiel in Deutschland geborene Menschen, deren Mutter etwa in der Türkei oder deren Vater in den Niederlanden geboren wurden aber auch Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. Insgesamt waren es etwa 590.000 Deutsche mit Migrationshintergrund, die erwerbsfähig waren und Bürgergeld bekommen haben.

Ausländer im Bürgergeld

Etwa 1,85 Millionen Ausländer in Deutschland waren 2024 erwerbsfähige Bezieher von Bürgergeld. Das sind etwa 47,1 Prozent der erwerbsfähigen Bürgergeldempfänger insgesamt im Jahr 2024. Zu dieser Gruppe gehören mehrere Hunderttausend Ukrainerinnen und Ukrainer, die seit 2022 vor dem russischen Angriffskrieg nach Deutschland geflüchtet sind.

Personen, die Bürgergeld bekommen und nicht erwerbsfähig sind

Rund 1,4 Millionen Leistungsberechtigte waren 2024 «nicht erwerbsfähig»: Das sind zum Beispiel Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten können, und vor allem Kinder.

Zu dieser Teilmenge gibt es keine Zahlen über den Migrationshintergrund. In den «allermeisten Fällen» handle es sich dabei um Kinder bis 15 Jahren, teilte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. «Selbstverständlich werden diese nicht individuell nach ihrem Migrationshintergrund befragt.»

Doch selbst wenn unter den nicht erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im Jahr 2024 kein einziger Deutscher ohne Migrationshintergrund gewesen sein sollte, stimmt die Grafik nicht. Denn allein die 1,4 Millionen erwerbsfähigen Deutschen ohne Migrationshintergrund machen schon mehr als 25 Prozent der 5,4 Millionen Bürgergeldempfänger aus – und nicht 17,4 Prozent.

Die fehlerhafte Grafik geht im Übrigen nicht zum ersten Mal durch Social Media – und zum Bürgergeld gibt es immer wieder auch andere Falschnachrichten.

(Stand: 8.5.2026)

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Migration, Politik, Gesellschaft

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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