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Kein Hinweis auf Echtheit von Zitat und Autorin aus Leipzig

Nach dem Angriff auf einen Leipziger Busfahrer vor Ostern ermittelt die Polizei weiter die Hintergründe der Tat. Für die Attacke soll ein 13-Jähriger verantwortlich sein. Der Busfahrer war laut Polizei so schwer verletzt worden, dass er in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Auch im Netz wird hitzig über die brutale Tat diskutiert.

Einige Nutzer verbreiten ein Sharepic, auf dem eine junge Frau neben einem Zitat zu sehen ist: «Der Bube und der Busfahrer sollten ihre Differenzen unbedingt in einem geschützten Raum klären. Angesichts der altersspezifischen Machtasymmetrie sollte der Busfahrer als Erwachsener mit einer Entschuldigung vorangehen. Dann muss dem Kind sensibel bewusst gemacht werden, dass sein Handeln nicht in Ordnung war», heißt es dort.

Als Name unter dem Zitat steht: «Frieda Heinecke» und «Freie Autorin, Erziehungswissenschaftlerin». Fordert sie wirklich eine Entschuldigung von dem angegriffenen und verletzten Busfahrer?

Bewertung

Die Zitatkachel stammt von einer Satire-Seite, die immer wieder fiktive Aussagen von erfundenen Personen veröffentlicht. Es finden sich keine Hinweise, dass eine Autorin namens Frieda Heinecke existiert. Die Gebäude im Hintergrund sind so auch nicht in Leipzig zu finden.

Fakten

Auf der Zitatkachel ist das Logo «ZGI» zu sehen. Es gehört zu der Facebook-Seite «ZGI – Zusammen gegen Intoleranz». Dahinter verbirgt sich jedoch kein Verein oder eine Organisation, von der tatsächlich zivilgesellschaftliches Engagement dokumentiert ist. Die Seite veröffentlicht regelmäßig solche Zitatkacheln, bei denen Namen unecht wirken oder Bild-Details auf die Verwendung von Künstlicher Intelligenz hindeuten.

Auf einem Sharepic mit einer angeblichen Frau namens «Sawsan Salahmeh-Fleischhauer» hat diese Person entweder einen extrem langen kleinen Finger oder sechs Finger – ein typischer KI-Fehler, auch wenn er seltener wird. Ein Bild, auf dem eine Frau namens «Wiebke von der Goltz» angeblich mit einem Gartenschlauch Feuerwerkskörper wässert, wirkt ebenfalls KI-generiert: Die Feuerwerkskörper scheinen nicht nass zu werden. Beide Namen sind nicht als reale Personen auffindbar. Eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zur Echtheit der abgebildeten Personen und Aussagen beantwortete die Facebook-Seite «ZGI» nicht.

In einem «Faktenfinder»-Bericht der «Tagesschau» aus 2019 heißt es, dass auf der Seite früher ein Hinweis zu finden gewesen sei, wonach jeder «für sich selbst entscheiden» müsse, ob es sich bei der Seite um Satire handele oder nicht. Auf dem aktuellen X-Profil von «ZGI» heißt es im Titelbild: «Deutschland transformieren, Kalifat 2030». Es ist von einem Satire-Projekt auszugehen.

Ort im Hintergrund nicht in Leipzig verortbar

Auf der Facebook-Seite selbst wird das durch den Kontext deutlich. Doch durch die Weiterverbreitung scheinen einige Social-Media-Nutzer von einem echten Zitat einer echten Person auszugehen.

Die angebliche Zitatgeberin auf der Zitatkachel, Frieda Heinecke, ist nicht auffindbar. Da sie angeblich als «Freie Autorin» publizieren sein soll, ist das ungewöhnlich. Es ist möglich, aber nicht gesichert, dass ihr Bild KI-generiert ist. Auffällig ist etwa, dass ihre Hand, die den Henkel ihres Stoffbeutels greifen soll, am Henkel vorbeizugreifen scheint, besonders an der äußeren Seite mit dem kleinen Finger.

Es lässt sich zudem nicht verifizieren, dass der Ort, der hinter der jungen Frau zu sehen ist, Leipzig zeigt. Ein markantes historisches Gebäude, wie es rechts im Bild zu sehen ist, ist in Leipzig nicht auffindbar. Insgesamt gibt es somit keine Hinweise, dass eine reale Autorin und Erziehungswissenschaftlerin namens Frieda Heinecke in Leipzig existiert und ihre Aussage die Haltung einer realen Person ist.

Polizei ermittelt Hergang der Tat

Am Abend des 1. Aprils war ein Busfahrer in Leipzig laut Polizei bei einer Auseinandersetzung mit einem 13-Jährigen so schwer verletzt worden, dass er in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Zum Gesundheitszustand des Fahrers machte die Polizei keine Angaben. Sie ermittelt wegen Körperverletzung. Bis Ostermontag gab es nach Auskunft der Polizeidirektion Leipzig aber keine neuen Erkenntnisse. Weitere Auskünfte könnten aufgrund der besonders schutzwürdigen Persönlichkeitsrechte von Kindern nicht gegeben werden, hieß es auf Nachfrage.

Der 13-Jährige war mit anderen Kindern und Jugendlichen in einem Bus der Linie 90 in Richtung des Stadtteils Wahren unterwegs gewesen. Da die Gruppe gelärmt und gestört haben soll, habe der Busfahrer der Leipziger Verkehrsbetriebe angehalten und sie aufgefordert, leiser zu sein. Dabei sei es zu einer «körperlichen Auseinandersetzung» mit dem 13-Jährigen gekommen. Der Junge versuchte zu flüchten, die Polizei identifizierte ihn jedoch den Angaben zufolge schnell.

(Stand: 10.4.2026)

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Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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