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Mythos Tanker-Blockade vor den Niederlanden

Steigen die Preise an Deutschlands Tankstellen auch deshalb, weil der große Rotterdamer Hafen Öltankern die Einfahrt verwehrt? In sozialen Medien ist mit verschwörerischem Unterton von künstlicher Verknappung die Rede. Und sogar davon, dass der Treibstofftransport «schon vor der eigentlichen Krise im Iran zum Erliegen» gekommen sei. Ist da was dran?

Bewertung

Nein, diese Behauptungen sind falsch. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dementierte die Rotterdamer Hafenbehörde, dass Öltankern derzeit die Einfahrt verweigert wird. Es gebe auch keine Hinweise auf ungewöhnlich lange Wartezeiten für Tanker oder Einschränkungen, die absichtlich zu Energieengpässen führen würden, sagte ein Sprecher.

Fakten

Der Post, der eine Blockade für Tanker aus Spekulationsgründen suggeriert, führt einen Screenshot des Portals «MarineTraffic» von Schiffspositionen vor der niederländischen Küste als Beleg an. Darauf sieht es so aus, als stauten sich Tanker vor der Hafeneinfahrt von Rotterdam. Solche Echtzeitkarten auf der Basis von Satellitendaten ändern sich jedoch stetig. Eine Momentaufnahme sage gar nichts aus, kritisieren auch Leser des Beitrags.

Weiter heißt es im Post: «Hafenmitarbeiter berichten, dass die zuständigen Behörden seit Wochen keine Treibstofflieferungen zulassen.» Auch für diese Behauptung finden sich keine Belege.

Pufferzone vor dem Hafen Rotterdam

«Es ist üblich, dass Schiffe in den ausgewiesenen Gebieten vor der Küste Rotterdams ankern», erläutert Lex Bezemer, Pressesprecher der Hafenbehörde Rotterdam. Dies könne verschiedene Gründe haben: Manchmal warteten sie auf einen freien Liegeplatz im Hafen oder auf neue Aufträge oder Betriebsanweisungen des Reeders oder Charterers. Durchschnittliche Wartezeiten gebe es deshalb nicht. Manche Schiffe liefen sofort ein, andere warteten – auch aus eigener Entscheidung – für 24 Stunden.

Warten auf Lotsen oder Schlepperhilfe

«Die Anzahl der Tanker in den Ankergebieten bei Rotterdam ist in den letzten Wochen stabil geblieben und liegt seit Anfang Februar bei etwa 25 bis 35 pro Tag», ergänzte Bezemer. Dies sei vergleichbar mit dem Zeitraum vor den jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit der Schließung der Straße von Hormus am Persischen Golf.

Ankergebiete vor Rotterdam dienten ebenfalls dazu, Schiffe vorübergehend aufzunehmen, die auf einen Lotsen oder Schlepperhilfe warten. Auch Wetterbedingungen, Sicherheitsüberprüfungen oder logistische Planungen könnten einen Zwischenstopp dort erfordern. Das Ankergebiet sei eine Pufferzone innerhalb der maritimen Logistikkette.

Andere Ursachen für Ölpreisentwicklung

Die Ölpreise steigen vor allem deshalb, weil im Moment nur wenige Schiffe die Straße von Hormus am Persischen Golf passieren können und Öllieferungen aus der Region auf dem Weltmarkt fehlen. Grund ist der Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran. Die Wasserstraße ist eine der wichtigsten Verkehrsrouten für den weltweiten Ölhandel.

(Stand: 14.4.2026)

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Politik, Wirtschaft

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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