Bewertung
Nein, die Zahl ist falsch. Im Zusammenhang mit dem Sudan bezieht sie sich nicht auf die deutsche Unterstützung, sondern auf eine Finanzierungslücke aus dem Jahr 2025. Es gibt keine Belege, dass Deutschland dieses Geld allein aufbringen will. Das Bundesentwicklungsministerium beziffert seine Unterstützung in den Jahren 2025 und 2026 auf rund 175 Millionen Euro. Das Auswärtige Amt sagte bei der Konferenz in Berlin humanitäre Hilfe im Umfang von 212 Millionen Euro zu.
Fakten
Deutschland leistet Unterstützung für die Bevölkerung des Sudan, wo seit mehreren Jahren ein Bürgerkrieg herrscht und Millionen Menschen auf der Flucht sind. Doch die Behauptung, die Hilfsgelder würden sich auf 2,2 Milliarden Euro belaufen, ist falsch. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) dementiert sie auf Anfrage. Es finden sich auch nirgends offizielle Angaben über eine solche Summe.
Die tatsächliche Unterstützung aus Deutschland sieht so aus:
- Ende 2025 sagte das BMZ 155,4 Millionen Euro an Unterstützung zu. Wie das Ministerium auf Nachfrage schreibt, entfielen davon 106,4 Millionen Euro auf die Bevölkerung im Sudan und 49 Millionen Euro für Geflüchtete und aufnehmende Gemeinden in den Nachbarländern Tschad, Südsudan und Libyen. Das BMZ betont, dass die deutsche Entwicklungszusammenarbeit im Sudan regierungsfern sei. Partner seien UN-Organisationen sowie internationale und lokale Nichtregierungsorganisationen.
- Vor der Sudan-Konferenz in Berlin am 15. April 2026 versprach das BMZ weitere 20 Millionen Euro. Damit solle der Zugang zur Basisversorgung wie Wasser, Gesundheit, Bildung und Ernährung sowie der soziale Zusammenhalt in der Bevölkerung verbessert werden, sagte Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan.
- Aus dem Auswärtigen Amt gab es bei der Konferenz eine weitere Zusage. Außenminister Johann Wadephul sprach von humanitärer Hilfe in Höhe von 212 Millionen Euro.
Laut den Gastgebern der Konferenz in Berlin – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die USA, die Afrikanische Union und die EU – wollen die Geberländer zusammen 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen.
Woher stammt die Falschangabe über 2,2 Milliarden?
Schon vor dem Treffen in Berlin hatte sich in den sozialen Netzwerken die Falschangabe verbreitet, dass Deutschland 2,2 Milliarden Euro beisteuere. Viele der Beiträge zeigten Screenshots von gleichlautenden Überschriften aus «Frankfurter Rundschau» und «Münchner Merkur»: «Sudan Konferenz: Deutschland will 2,2 Milliarden Euro an Hilfsgeldern füllen».
Das wurde offenbar vielfach so verstanden, als zahle Deutschland diese Summe. In den Artikeln selbst wird die Zahl genauer erklärt: «Im vergangenen Jahr war der humanitäre Hilfsplan für Sudan nur zu 40 Prozent finanziert. Knapp 2,2 Milliarden Euro fehlten, Millionen Menschen erhielten keine Hilfe.» Diese Angaben finden sich auch bei den Vereinten Nationen (UN). Es geht also nicht um einen deutschen Beitrag, sondern um die von den UN beklagte Finanzierungslücke nach der Sudan-Konferenz in Paris im Jahr 2025.
Auf der diesjährigen Konferenz sprach UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher wiederum von 2,2 Milliarden US-Dollar – nicht Euro -, die benötigt würden.
Millionen Menschen von Flucht und Hunger betroffen
Der Bürgerkrieg im Sudan, dem drittgrößten Land Afrikas, begann vor genau drei Jahren – am 15. April 2023. Seitdem kämpfen die Regierungsarmee SAF von De-facto-Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und die Miliz RSF unter Mohamed Hamdan Daglo um die Vorherrschaft im Land.
Menschenrechtsorganisationen werfen sowohl der SAF als auch der RSF Menschenrechts- und Kriegsverbrechen vor. Die Vereinten Nationen sprechen angesichts von weit verbreitetem Hunger und derzeit 11,6 Millionen Flüchtlingen und Binnenvertriebenen von der größten humanitären Krise der Welt. Mehr als 19 Millionen Menschen sind von Hunger bedroht, bis zu 80 Prozent der Gesundheitseinrichtungen sind nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zerstört oder nicht arbeitsfähig.
Der SAF werden willkürliche Bombardierungen auch von Wohngebieten vorgeworfen. Die RSF setzt sexuelle Gewalt als Kriegswaffe ein, besonders gegen die nicht-arabischen Bevölkerungsgruppen in Darfur.
Deutsche Hilfszahlungen gehen insgesamt zurück
Anfang April hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Zahlen veröffentlicht, wonach die Entwicklungshilfe aus Industrieländern im Jahr 2025 insgesamt zurückgegangen sei. Deutschland gab demnach 0,56 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Hilfen an besonders arme Länder aus. 2024 seien es noch 0,68 Prozent gewesen. Die Zielmarke liegt bei 0,7 Prozent. Die Bundesregierung hatte die Ausgaben für humanitäre Hilfe und Entwicklungshilfe zuletzt deutlich gekürzt.
(Stand: 17.4.2026)
