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Falschmeldung. Es existiert keine aktuelle Ansprache Putins, die zum Sturz von Friedrich Merz aufruft. Ein Video, was dazu kursiert, zeigt Aussagen Putins aus dem Jahr 2024 zu einem anderen Thema. Auch für die Behauptungen zum Zwei-plus-Vier-Vertrag gibt es keine Belege.
Fakten
Im kursierenden Facebook-Beitrag ist ein Screenshot eines YouTube-Videos zu sehen. Es trägt den Titel: «PUTIN wendet sich an OSTDEUTSCHE BÜRGER! – BEFREIT euch von MERZ!!» In dem Video selbst ist auch ein Ausschnitt einer Ansprache Putins zu sehen.
Laut dem Video soll die Aufnahme von 18. Mai 2026 stammen. Im Verlauf des gezeigten Rede-Ausschnitts erwähnte Putin jedoch weder Friedrich Merz, noch Ostdeutschland oder den Zwei-plus-Vier-Vertrag.
Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Das Video mit der Rede Putins ist zwei Jahre alt und nicht aktuell. Es entstand im Juni 2024 bei einer Pressekonferenz Putins in Sankt Petersburg mit internationalen Journalisten. Auch ein Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur (dpa) war dort anwesend. Putins Kleidung sowie die Anordnungen der Personen gegenüber von Putin und deren Kleidung stimmt mit Fotos und Videos dieser Pressekonferenz überein.
Als Putins Rede entstand, war Merz noch kein Kanzler
Das offizielle englische Transkript dieser Pressekonferenz hat auch der Kreml veröffentlicht. Im gesamten Transkript von Putins Ansprache ist jedoch keine Stelle zu finden, in der er sich an Ostdeutsche wendet, sie zum Sturz der Regierung aufruft oder den Zwei-plus-Vier-Vertrag erwähnt.
Etwa nach drei Stunden und sieben Minuten des beigefügten Videos auf der Kreml-Website fällt auch die Aussage, die zu Beginn des YouTube-Videos mit der falsch datierten Rede zu sehen ist. Dort sagt Putin laut der deutschen Übersetzung: «Nach unserem Verständnis dessen, was in der Bundesrepublik geschieht, ist, dass dort jede alternative Sichtweise als staatsfeindlich aufgefasst wird und aus irgendeinem Grund jeder sofort zum Agenten des Kremls erklärt wird.» Putin antwortete damit auf eine Frage nach den Beziehungen Russlands zur AfD.
Auch andere seriöse Nachrichtenberichte über eine aktuelle angebliche Botschaft Putins für Ostdeutsche oder einen Aufruf zum Sturz der Bundesregierung sind nirgendwo zu finden. Es handelt sich um eine Falschmeldung.
Angebliche Umfrage hat nichts mit Zwei-plus-Vier-Vertrag zu tun
Ebenso unbekannt ist ein Beleg dafür, dass angeblich immer mehr Bürger das Ende des Zwei-plus-Vier-Vertrags fordern würden. Das YouTube-Video zeigt lediglich eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov von September 2025 über die Wahrnehmung der Bürger von Unterschieden zwischen Ost- und Westdeutschland. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag kommt in der Umfrage nicht vor.
Der Zwei-plus-Vier-Vertrag machte 1990 den Weg frei für die deutsche Einheit und regelte im Zuge der Vereinigung der damals beiden deutschen Staaten die Außenpolitik der neuen Bundesrepublik mit den Alliierten. Unterzeichnet wurde er 1990 in Moskau von den Außenministern der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik sowie den Außenministern der USA, der Sowjetunion, Frankreichs und Großbritanniens.
Wichtige Punkte des Vertrags sind etwa die volle Herstellung der Souveränität Deutschlands mit der Wiedervereinigung, Regeln zum Verzicht Deutschlands auf den Besitz von atomaren, biologischen und chemischen Waffen oder ein Verzicht auf die dauerhafte Stationierung ausländische Truppen in Ostdeutschland auf dem Gebiet der ehemaligen DDR.
Russische Desinformation über Zwei-plus-Vier-Vertrag kursiert regelmäßig
Der Vertrag ist gültig und trotz russischer Drohungen gibt es derzeit auch keine ernsthaften Bestrebungen, ihn aufzulösen. Nach Einschätzungen der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags aus dem Jahr 2024 kann der Vertrag auch nicht einseitig gekündigt oder aufgelöst werden. Dafür müssten alle Vertragparteien zustimmen. Selbst wenn es dazu käme, hätte dies der Einschätzung nach keine Auswirkungen auf die vollzogene Einheit Deutschlands.
Der Zwei-plus-Vier-Vertrag ist jedoch immer wieder Gegenstand von Falschinformationen und russischer Propaganda. Besonders seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 beziehen sich Vertreter des russischen Staates immer wieder auf ihn oder behaupten, er sei nicht mehr gültig.
Das dpa-Faktencheck-Team hat etwa die Falschbehauptungen geprüft, Russland habe den Zwei-plus-Vier-Vertrag gekündigt, die Zahl der Reservisten in Deutschland könne gegen den Vertrag verstoßen oder die Souveränität Deutschlands sei nicht wiederhergestellt.
(Stand: 27.5.2026)
